Auf nach China

Ankunftsort Hongkong. September 2004 lande ich am „Chek Lap Kok“. Eine Hochgeschwindigkeitsbahn bringt mich ins Stadtzentrum. Sie schlängelt sich durch gigantische Hochhäuserblocks. Gut sieben Millionen Einwohner leben in der ehemals britischen Kronkolonie.

Chinas duftender Hafen hält einen feucht-schwülen Empfang bereit. Einher geht eine Duftkomposition aus Garküchen, reifen Orchideen und Smog. Menschenmassen, endlos rauschende Verkehrszüge, gigantische Wohnblocks, der Herzschlag dieser Stadt pulsiert auf Hochfrequenz. 

Es verschlägt mich in ein Zimmer irgendwo zwischen dem 3. und 17. Stockwerk der Chungking Mansions – DIE Backpacker Adresse Hongkongs. Der Wohnkomplex aus den 60ern birgt Menschen aller Herren Länder. Die Ausstattung meines Zimmers: ein Bett, ein Ventilator und eine winzige Flimmerkiste. Vergilbte Wände ohne Dekoration und ohne Fenster. Inmitten indischer Restaurants, Reisebüros, mehr Wohnungen, Schlüsselmacher, Stoffverkäufer, afrikanischer Elektronikwarenhändler, Rolex-Dealer und Nachtclubs.

Ich werfe mich aufs Bett und schließe meine Augen. Tiefer Schlaf übermannt mich und für einige Minuten, oder sind es Stunden, vergesse ich, dass ich im Kommerz-Moloch Hongkong bin. Das Rattern der Klimaanlage weckt mich, mein Magen knurrt und ich verlasse meinen Unterschlupf. Draußen ist es dunkel. Reklametafeln und Schriftzeichen flimmern in schillernden Farben.

Ich zweige in einer dunklen Seitengasse ab und entdecke eine kleine Kantine. Neben mir sitzen Familien, Teenies und alte Herren. Der Raum ist hell beleuchtet. Glücklicherweise sind die Gerichte bebildert. Ich lasse mein Herz von zarten DimSum berühren. Später bringt mich ein Taxi ins Expat-Kneipen-Viertel.

Ein Studenten-Visum in der Tasche steige ich zwei Tage später in den Zug nach Guangzhou und besuche eine Freundin.

Der Vater meiner Freundin ist Direktor einer namhaften Schule Guangzhous und wird ständig zum Essen eingeladen. Auch heute Abend. Wir landen in einem Gourmet-Restaurant und sitzen neben alten Chinesen im Anzug an schweren Mahagonitischen. Sobald das Essen auf dem Tisch steht, wird mir ungefragt Zeug auf
den Teller getan. Angeblich ein Zeichen von
Gastfreundlichkeit. Nun ja, auf Seeschnecken und
Schildkrötensuppe würde ich gerne verzichten.

Danach geht die Reise weiter nach Kunming, Yunnan. Die Stadt, in der ich die nächsten zwei Jahre verbringe.

Ich fahre mit dem Schlafzug. Mein Bett ist das mittlere von dreien einer sechser Kabine. Das unterste Bett wird ungefragt von fremden Passagieren als Sitzgelegenheit genutzt. Ich starre durch das große Fenster. Städte und Dörfer, Berge und Ebenen, Reisterrassen und Felder ziehen an mir vorbei. Ich versuche den Gesprächen meiner Karten spielender Mitreisenden zu folgen und verstehe kein Wort. Aber was macht das schon. Hauptsache ich bin auf dem Weg.

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